Toleranz im Ranzen – Ausgestattet mit einem starken Selbst in die Schule
Der Workshop „Toleranz im Ranzen“ zielt darauf, das Selbstbild von Kindern systematisch zu stärken, um auf diesem Fundament die Fähigkeit zu Toleranz aufzubauen. In diesem Video beschreibt PD Dr. Daniela Renger als wissenschaftliche Leiterin des Vereins die Idee hinter dem Workshop im Detail (mit freundlicher Genehmigung des IQSH).
Sie finden das Video als Landesweites Unterstützungsangebot für Schulentwicklungstage zum Thema Demokratiebildung im Fachportal des IQSH.
Der Workshop setzt an der Erkenntnis an, dass eine gesunde und stabile Beziehung einer Person zu sich selbst die Grundlage für Fremdanerkennung und Toleranz ist. So zeigen Studien, dass ein geringer Selbstwert mit der Wahl und/oder Befürwortung aggressiver, egoistischer und feindseliger Verhaltensweisen einhergeht. Diese Selbstanerkennung wird dabei differenzierter definiert als das gängige und diffuse Konzept des globalen Selbstwerts. Aktuelle Forschung unterscheidet drei unterscheidbare Facetten von Selbstanerkennung: Selbstliebe, Selbstwertschätzung und Selbstrespekt.
Jede der drei Ebenen der Selbstanerkennung wird durch eine korrespondierende Form sozialer Anerkennung (Liebe, Wertschätzung und Respekt) beeinflusst. Eine Person kann aber auch selbst Einfluss auf alle drei Ebenen der Selbstanerkennung nehmen und sie aktiv beeinflussen.
Selbstliebe bildet die Überzeugung, liebenswürdig zu sein, sich selbst zu mögen und ein hohes Grundvertrauen in sich selbst zu haben
Der Workshop „Toleranz im Ranzen“ umfasst zwei Projekttage.
Begleitet durch die drei Tiere der Selbstanerkennung (die Selbstliebe-Häsin, der Selbstwertschätzungs-Fuchs und der Selbstrespekt-Igel) begeben sich die Kinder gemeinsam mit den Tutor:innen auf eine mentale Reise zu einer Idealschule der Toleranz. Sie durchlaufen unterschiedliche Stationen, die sie auf dem Weg zur Schule mit den notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten ausrüsten, sodass sie schließlich an ihrem Ziel der Schule der Toleranz mit einem gestärkten Selbstbild ankommen können.
Am ersten Tag werden die Kinder dazu angeleitet, ihre Selbstliebe, ihre Selbstwertschätzung und ihren Selbstrespekt zu entdecken und zu reflektieren. Die drei Tiere der Selbstanerkennung helfen dabei, zu verstehen, was die jeweilige Form der Selbstanerkennung bedeutet und geben kindgerechte Beispiele an die Hand. Hierbei ist wichtig, zu erkennen, dass jedes Kind wertvolle und liebenswerte Eigenschaften und Talente besitzt. Anschließend schreiben die Kinder Botschaften an sich selbst, in welchen sie schreiben, was sie an sich mögen, worin sie gut sind und welche Rechte ihnen selbst besonders wichtig sind. So lernen sie, eigene, für sie selbst wichtige Stärken, Eigenschaften und Talente zu entdecken sowie ihre Rechte kennen und einfordern zu können.
Am zweiten Tag lernen die Kinder, soziale Anerkennung an ihre Klassenkamerad:innen weitergeben zu können. So erfahren die Kinder nicht nur gegenseitig eine Stärkung des Selbstbildes sondern tragen auch zu einer Verbesserung des Klassenklimas bei. In einem nächsten Schritt versuchen die Kinder in spielerischen Übungen ihre eigenen Wünsche zu kommunizieren und trotzdem tolerant die Meinung des Gegenübers zu respektieren. Dazu wird den Kindern das Simon’sche (2017) Konzept der Toleranz als Anerkennung (abgelehnter) Anderer als (unterschiedliche) Gleiche altersgerecht nähergebracht. Schüler:innen identifizieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede, lernen durch vorgestellte Beispielszenarien zu Konfliktfällen, wie respektvoll kommuniziert werden kann, erlernen Tricks für selbstbewusstes, respektvolles Verhalten und Konfliktdeeskalation. Sie üben die Umsetzung des Gelernten in unterschiedlichen Aufgaben (Rollenspiele, Zeichenaufgaben, Brainstorming,…).
Am Ende des Workshops besitzen die Kinder einen eigenen Papierschulranzen, der alle bearbeiteten Workshop-Materialien (Selbstbotschaften, Trick-Karten, Botschaften anderer Mitschüler:innen) beinhaltet.